In Zeiten von Künstlicher Intelligenz werden viele Geschäftsmodelle von Unternehmen hinterfragt. Noch vor kurzem als unentbehrlich geglaubte Software-Unternehmen droht, wenn den Börsenkursen geglaubt werden darf, der Abgesang. Die Disruption ganzer Branchen wird befürchtet. Der rasante technische Fortschritt sorgt für ständige Unsicherheit bei Unternehmen. Im Kontrast dazu steht das finnische Unternehmen Stora Enso, das als ältestes noch bestehendes Unternehmen zeigt, dass nur Veränderung das Überleben sichert - und das seit 1288. Gegründet als Stora Kopparbergs Bergslag (Stora Kupferberg Bergbaubezirk) in der Nähe der Stadt Falun in Schweden, lag der Schwerpunkt auf dem Bergbau und der Forstwirtschaft.

1/8 Anteil an der Stora Kopparberg Mine, 16. Juni 1288. Quelle: storaenso.com
Im 17. Jahrhundert wurde das Kupfer aus den Minen in ganz Europa zur Herstellung von Münzen, Gebäuden und Infrastruktur benötigt. Die Erdschichten, die vor der Kupfererzgewinnung abgetragen werden mussten, beinhalteten einen Farbstoff, der bis zum heutigen Tag die Landschaft Schwedens prägt: falunrot. Dieser Farbstoff ist der Ursprung der roten Schwedenhäuser. Zeitgleich wuchs die Bedeutung der Forstwirtschaft für das Unternehmen. Holz war als Baumaterial und wichtigster Energieträger zu jener Zeit unentbehrlich. Der technische Fortschritt in Form von dampfmaschinenbetriebenen Sägewerken sorgte im Besonderen bei der Holzverarbeitung für Effizienzsteigerung, die im späten 18. Jahrhundert auf eine steigende Nachfrage aufgrund einer wachsenden Bevölkerung traf. Im 19. Jahrhundert wurde dieser Trend durch den Bedarf an Papier für Bücher und Verpackungsmaterial befeuert. Flößer brachten Baumstämme in größere Städte. Die dort produzierten Holzerzeugnisse wurden über die Grenzen Europas verkauft. 1992 wurde der Mine in Falun geschlossen und das Unternehmen konzentrierte sich ausschließlich auf die Forstwirtschaft. 1998 entstand durch die Übernahme des größten finnischen Forstwirtschaftsbetriebs Enso, die bis heute bestehende Firma Stora Enso Oyj. So geschichtsträchtig das Unternehmen auch sein mag, so enttäuschend hat sich der Aktienkurs in den vergangenen drei Jahrzehnten entwickelt. So stand die Aktie am 1. Juli 1997 bei umgerechnet 8,95€, neunundzwanzig Jahre später gerade einmal 15% höher (1. Juli 2026, 10,63€). Das spiegelt in etwa die Entwicklung des Holzpreises in dem genannten Zeitraum wider1. Die Nachfrage nach Papier hat sich im Rahmen der ansteigenden Digitalisierung deutlich verringert. Da dieser Trend sich eher beschleunigen als umkehren wird, muss das Unternehmen neue Geschäftszweige erschließen. Das Unternehmen stellt mittlerweile neben Verpackungsmaterialien, Papier und Brennstoffpellets auch Massivholzbauteile für Häuser her, die mittels eines Steckkastensystem schnell verbaut werden können. Nach diesem System wurde auch die neue Hauptzentrale des Konzerns im Herzen von Helsinki gebaut. Das größte Massivhausgebäude Finnlands beheimatet neben der Firmenzentrale auch das Hotel Pier 4 und liegt in bester Lage auf der Halbinsel Katajanokka. Dieses Gebäude steht für ein neues Kapitel in der über 700-jährigen Firmengeschichte und versucht auf den veränderten Zeitgeist und die Wünsche der Konsumenten einzugehen, um auch weiterhin das älteste Aktienunternehmen der Welt zu bleiben.
1 Federal Reserve Bank of St. Louis, Global price of soft sawnwood, U.S. Dollars per Metric Ton, 01.07.1997 – 303,36$, 01.07.2026 – 301,48$.